"Der VfL ist mehr als eine Affäre"

Boy Meesenburg im Interview

Seit über 25 Jahren unterstützt Boy Meesenburg mit seinem Unternehmen „Jacob Cement“ die SG Flensburg-Handewitt und leitet dort zudem als Vorsitzender des Beirats die Geschicke. Doch auch beim VfL Lübeck-Schwartau ist Meesenburg einer der größten Unterstützer, Gesellschafter und zählt zu den Hauptsponsoren.

Herr Meesenburg, die SG Flensburg-Handewitt gilt als Ihre große Liebe – was ist der VfL für Sie?

Boy Meesenburg: Auf jeden Fall mehr als eine Affäre. Man kann sagen, eine kleine Schwester des großen Bruders SG Flensburg-Handewitt. Die Liebe zur SG hat sicherlich tiefere Wurzeln und ist natürlich eng verbunden mit meiner lang andauernden geschäftlichen Verbindung mit Flensburg und meinem Aufwachsen in der Heimatstadt. Die Liebe zum VfL Lübeck-Schwartau resultiert aus einem langen Aufenthalt während meiner weiteren Ausbildung in Lübeck bzw. Bad Schwartau. Ich hatte immer Interesse an Handball und daher kam auch das Interesse am VfL. Deshalb wollte ich schon immer mithelfen, den VfL wieder dahin zu führen, wo er seinen Platz auch lange hatte, im nationalen und schleswig-holsteinischen Handballsport.

Freuen Sie sich auf das Duell Ihrer beiden Vereine? Was für ein Spiel erwarten Sie?

Boy Meesenburg: Ich freue mich vor allem für den VfL. Für die SG ist das Spiel vielleicht eher ein Ausflug, um noch mal Spielzüge auszuprobieren und die neuformierte Mannschaft einzuspielen. Für Lübeck ist es sicherlich eine große Herausforderung. Es ist ein großes Kräftemessen mit dem Deutschen Meister und dementsprechend ist die Aufmerksamkeit beim VfL viel größer. Meine Vorfreude bezieht sich also darauf, wie der VfL diese große Herausforderung annimmt.

Was trauen Sie dem VfL in diesem Spiel zu?

Boy Meesenburg: Ein gutes Spiel. Ich glaube, dass beide Mannschaften dem Freundschaftscharakter positiv begegnen. Es sind viele namenhafte Einzelspieler dabei, aber man wird sicherlich nicht so hart spielen, dass man Verletzungen riskiert. Das Ergebnis wird dementsprechend zweitrangig sein. Mit der Unterstützung des Publikums traue ich dem VfL aber zu, in vielen Phasen gut dagegen zu halten und die SG herauszufordern.

Den Gewinn der Champions-League 2014 haben Sie als unglaublichstes Sporterlebnis Ihres Lebens bezeichnet – was hat Ihnen die Meisterschaft in der vergangenen Saison bedeutet?

Boy Meesenburg: So ein Champions-League-Sieg passiert ja sehr schnell, an zwei Tagen spielt man ein Turnier, gewinnt zwei Spiele und dann hat man die Champions League gewonnen. Die Meisterschaft ist ja eine lange Serie, mit viel auf und ab. Daher hat diese Meisterschaft, auch wenn sie genau so unverhofft kam wie damals der Champions-League-Sieg, schon eine noch größere Bedeutung. Die Freude darüber ist noch immer riesig.

Was fasziniert Sie als Unterstützer des Handballs in Flensburg und Lübeck?

Boy Meesenburg: Der Handballsport insgesamt ist für mich der schönste Mannschaftssport, den es gibt. Wir unterstützen ja auch nicht nur in Flensburg und Lübeck, sondern auch in Schwerin oder auf der Insel Usedom, überall dort, wo wir unser Geschäft haben. Überall, wo Handball mit einer klaren Zielsetzung angegangen wird, sind wir auch als Unterstützer präsent. Natürlich nicht so groß wie in Flensburg und in Lübeck, aber Handball insgesamt ist ein wichtiges Thema unseres Unternehmens und eine ebenso wichtige Kommunikationsplattform. In Lübeck und Flensburg ist es natürlich eine besondere Leidenschaft, es ist auch ein bisschen Hobby dabei. Es ist ja nicht nur Sponsoring, sondern auch persönliches Engagement und persönliches Geld. Ich habe einfach sehr viel Freude an diesem Sport insgesamt.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des VfL Lübeck-Schwartau in den vergangenen Jahren ein?

Boy Meesenburg: Ich glaube, dass wir Geduld haben müssen und den eingeschlagenen Weg behutsam weitergehen sollten. Wir haben jetzt gerade seit einem Jahr professionelle Strukturen. Wir sind in Flensburg jahrelang zwischen 2. und 1. Liga hin- und hergependelt. Abstiegskampf in der 1. Liga, Meisterschaftskampf in der 2. Liga. Ich glaube, der VfL Lübeck-Schwartau ist mittlerweile eine der Spitzenmannschaften in der 2. Liga und muss dies dauerhaft festigen. Wir müssen am Umfeld und an der Mannschaft arbeiten, um irgendwann die Chance zu nutzen und aufzusteigen. Immer mit dem Wissen, dass man vielleicht auch wieder absteigt. Wir müssen uns erst einmal auf diesem Niveau festigen. Wir brauchen eine breitere Basis im Zuschauer- und Sponsorenbereich. Man sollte so etwas nicht zu schnell voranpeitschen, sondern sich zunächst mal ein Fundament erarbeiten. In diesem Prozess befinden wir uns. Ich hoffe, dass wir auch in diesem Jahr um die oberen Plätze mitspielen können, und dann sehen wir mal, was kommt.

Glauben Sie, dass der VfL irgendwann in die Bundesliga aufsteigen und sich dort etablieren kann?

Boy Meensenburg: Ja, das glaube ich. Die Möglichkeiten sind da, aber die Rahmenbedingungen für einen dauerhaften Platz in der 1. Bundesliga erfordern auch ein sehr professionelles Umfeld und sicherlich auch irgendwann eine andere Sportstätte, um die Einnahmen zu generieren, die für einen Etat in der 1. Bundesliga nötig sind. Letztendlich ist es natürlich ein Etat-Thema, natürlich auch ein Thema des Umfelds. Es geht um Management, es geht um Geschäftsführung und den Beirat. Es wird natürlich nicht von heute auf morgen möglich sein, aber mittelfristig glaube ich, dass wir wieder einen Platz in der 1. Liga haben könnten.

 

 

2018-08-13T20:57:14+00:00Montag, 13. August 2018|