Die Ernüchterung ist zurück

VfL Lübeck-Schwartau verliert verdient beim TuS Ferndorf mit 23:19.

Die Euphorie nach dem Heimsieg gegen den HSC 2000 Coburg ist schnell verflogen. Der VfL meldet sich zurück im Abstiegskampf, musste sich gegen die ebenfalls verunsicherten Ferndorfer, die seit acht Spielen sieglos waren, am Ende zurecht geschlagen geben.

Dabei war der Beginn der Partie noch ordentlich. Der gut startende Jasper Bruhn eröffnete das Torewerfen zum 0:1 (2.), legte auch zum 2:2 nach. Dann aber wurde Ferndorf im Angriff sicherer und holte sich die Führung nicht nur zurück, sondern baute diese auch auf 5:3 (12.) aus. Julius Lindskoog Andersson führte klug Regie und setzte durch seine schnellen Antritte immer wieder den VfL-Mittelblock unter Druck. Hier war bereits zu erkennen, dass den Schwartauern der zweite Auswärtssieg nicht geschenkt werden würde.

Die Fans in der Sporthalle Stählerwiese, die ihre Mannschaft in der Folgezeit lautstark unterstützten, sahen jetzt zunehmend schwerfälligere VfL-Angriffe, die immer wieder in der Abwehr oder den Armen des TuS-Torhüters Marin Durica (insgesamt 12 Paraden, 46%) endeten. Zusätzlich erschwerten technische Fehler die Angriffsbemühungen der Schwartauer. Der Rückraum, der noch gegen Coburg deutliche Akzente setzen konnte, war gegen Ferndorf weniger wirkungsvoll. So konnte Ferndorf immer wieder einfache Tore durch schnell vorgetragene Gegenstöße erzielen und lag beim 12:9 das erste Mal mit drei Toren vorn. Auszeit Piotr Przybecki – allerdings ohne den gewünschten Erfolg.

Bei diesem Abstand blieb es dann bis zum Pausenpfiff. Markus Hansen erzielte mit der Pausensirene das 13:10. Bei den Gastgebern war Patrick Weber (5 Tore im ersten Durchgang) der erfolgreichste Werfer, Jasper Bruhn traf drei Mal und war damit der Top-Torschütze bei den Gästen. Der Trainer zur ersten Halbzeit: „Uns haben die einfachen Tore, die uns gegen Coburg noch gelungen sind, gefehlt. Wir dürfen nicht so viele Bälle wegwerfen. Dann wird es gegen Ferndorf eben richtig schwer.“

Zweite Halbzeit: ein Wechselbad zwischen Hoffnung und Enttäuschung

Im zweiten Durchgang hütete Dennis Klockmann für Marino Mallwitz (6 Paraden) das Tor der Ostholsteiner und schaffte es, sich schnell in den Köpfen der Ferndorfer festzusetzen. Aber leider konnte die Offensive aus seinen Paraden keinen Nutzen schöpfen. Leichte Fehler verhinderten immer wieder, dass die Mannschaft von Piotr Przybecki den Rückstand verkürzen konnte. Vielmehr war das Gegenteil der Fall: Die Gastgeber konnten bis zur 40. Minute auf 17:11 davonziehen. Immer wieder endeten die Angriffsversuche von Markus Hansen und Co. über dem Tor, an der Latte oder bei Durica. Noch einmal Piotr Przybecki: „Wenn Du mit minus drei in die Halbzeit gehst, muss der Start in den zweiten Durchgang einfach passen. Leider hatten wir heute zu viel Wurfpech, scheiterten im Abschluss. So wird das in jedem Spiel schwer, erst recht in so einer emotionalen Halle wie in Ferndorf.“

Folgerichtig gelang dem VfL über zehn Minuten kein eigener Treffer. Erst Steffen Köhler durchbrach diesen Bann zum 17:12 (42.) und läutete so etwas wie eine kleine Aufholjagd ein. Als Jasper Bruhn zum 17:15 (49.) vollendete, lag noch einmal Hoffnung in der Luft. Aber erneute Nachlässigkeiten im Spielaufbau, der zweite verworfene 7-Meter von Thees Glabisch und zwei schnelle Gegenstoßtore durch Faulenbach und Schneider sorgten für Ernüchterung bei den Gästen. Auch der Trainer sah zu diesem Zeitpunkt noch die Chance auf einen erfolgreichen Auswärtsauftritt: „ Klocki hat uns gutgetan, konnte einige Bälle entschärfen, aber Zeitstrafen und vergebene Torchancen haben unsere Aufholjagd immer wieder unterbrochen.“

Im Angriff mussten sich die VfLer einfach zu sehr mühen, um in aussichtsreiche Abschlusssituationen zu kommen, die dann allerdings zu selten erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Selbst der Versuch, mit einem siebten Feldspieler für das notwendige Übergewicht zu sorgen, verpuffte so.

Der TuS Ferndorf schaffte es immer wieder, mit Stoppfouls oder erfolgreichen Blöcken die Hoffnung auf einen knapperen Spielstand zunichte zu machen. Und wenn der VfL es einmal schaffte, die Abwehr auszuhebeln, stand mit Durica ein Mann im Weg, der seinen ebenfalls schwächelnden Mitspielern den Glauben an den Sieg erhielt. Vielleicht war er der entscheidende Faktor für den dritten Heimsieg der Mannschaft von Michael Lerscht. Przybecki: „Es war unter dem Strich ein verdienter Erfolg für Ferndorf. Nur mit einer besseren Angriffsleistung wäre heute Zählbares drin gewesen. Wir haben drei bis vier zu einfache Gegentore bekommen. Auf der anderen Seite haben uns genau die gefehlt. Jetzt gilt es, den Fokus auf die Vorbereitung für die beiden Weihnachtsspiele zu richten. In denen wollen wir unseren Fans wieder unser anderes Gesicht zeigen.“

Fazit

Am Ende waren neben dem Torhüter der Ferndorfer Patrick Weber und Julius Lindskoog Andersson maßgeblich für den verdienten 23:19 Sieg. Beim VfL Lübeck-Schwartau trafen Thees Glabisch und Jasper Bruhn mit jeweils fünf Toren am häufigsten. Die Ursache für die Niederlage dürfte im Angriff gelegen haben. 23 Gegentore in einem Auswärtsspiel sind in Ordnung, aber die vielen ausgelassenen Torgelegenheiten und die technischen Fehler im Aufbau haben einen weiteren Erfolg der Mannschaft von Piotr Przybecki unmöglich gemacht.

2019-12-16T03:15:46+00:00Samstag, 14. Dezember 2019|