Ein Punkt ist zu wenig

Der VfL Lübeck-Schwartau und der EHV Aue trennen sich 23:23.

Dabei war der Spielbeginn verheißungsvoll. Zum einen wollten 1.804 Zuschauer das Spiel des Tabellenvierzehnten gegen den Tabellenelften sehen. Das ist für einen Donnerstagabend und die ausgebliebenen Erfolgserlebnisse in der jüngeren Vergangenheit durchaus beachtlich und ein Dankeschön wert! Zum anderen konnte VfL-Trainer Piotr Przybecki endlich wieder auf eine größere Personalkapazität zurückgreifen – bis auf Pawel Genda waren alle Spieler an Bord.

Beides beeindruckte den EHV Aue in der Anfangsphase aber reichlich wenig und so lag der VfL Lübeck-Schwartau nach 13 Minuten mit 3:6 hinten. Entsprechend zufrieden war der Auer Trainer Stephan Swat mit dem ersten Spielviertel: „Wir sind sehr gut in das Spiel gekommen, führen früh mit drei Toren und schaffen es auch, unsere erste Unterzahl weitestgehend unbeschadet zu überstehen. Ich weiß allerdings nicht, was dann mit meiner Mannschaft los war.“

Der VfL, der in den Anfangsminuten insbesondere aus dem Rückraum keine guten Lösungen kreieren konnte, fand nach und nach ins Spiel – ohne aber dabei zu glänzen. Wie schon so oft war es Dennis Klockmann, der mit seinen Paraden als erster am Auer Selbstvertrauen kratzte. Bis zur Pause entschärfte er 10 Würfe der Gäste und brachte es damit auf stolze 50% gehaltene Bälle. Und der Rest der Mannschaft zog nach. Die Angriffe wurden präziser, die Abschlüsse sicherer und die Abwehr fand ihre Stabilität. Beim 8:7 (20.) durch Thees Glabisch war die Führung zurück. Der Linksaußen des VfL war nicht nur einer der Lichtblicke des Abends, sondern mit neun Toren auch erfolgreichster Werfer des Spiels (ohne Fehlversuch). Zwischen der 16. und 30. Minute hatten die Lübecker ihre beste Phase in diesem Spiel, erzielten Treffer um Treffer und zogen zwischenzeitlich auf fünf Tore davon. Die Hoffnung auf den so dringend benötigten fünften Saisonsieg fand Nahrung.

Auf der anderen Seite konnte der ansonsten sehr gefährliche Rückraum des EHV weitestgehend im Zaum gehalten werden. Der erfolgreichste Werfer der bisherigen Saison, Adrian Kammlodt (RL), und sein Pendant Ladislav Brykner (RR) waren von der VfL-Abwehr beinahe zur Bedeutungslosigkeit degradiert worden. Dafür war ein anderer Gästespieler umso erfolgreicher: Kreisläufer Bengt Bornhorn erzielte insgesamt sieben Treffer und hielt seine Mannschaft immer wieder auf Schlagdistanz. Ihm war auch der letzte Auer Treffer im ersten Durchgang vergönnt. Er traf zum 14:10.

Zweite Luft für Aue im zweiten Durchgang

Wer geglaubt hatte, die Vier-Tore-Führung nach 30 Minuten wäre ein beruhigendes Polster, sah sich bereits nach wenigen Minuten des zweiten Durchgangs widerlegt. Der VfL konnte zwei Angriffe nicht erfolgreich abschließen und Aue war beim 15:13 (37.) wieder dran. Den Schwartauern war jetzt anzumerken, dass die aktuelle Tabellensituation ihre Spuren hinterlassen hat. Der Abstiegsk(r)ampf schien endgültig angekommen zu sein. Die Fehlerzahl häufte sich jetzt und auch beste Abschlussmöglichkeiten konnten nicht genutzt werden. Gut für den VfL, dass auch der EHV Aue sehr weit von einem fehlerfreien Spiel entfernt war. Die Zuschauer wurden also nicht wirklich verwöhnt – wurden aber trotzdem nicht müde, ihren VfL zu unterstützen. Was sie dafür in der Schlussphase im Übermaß erhielten, war Spannung (so manch einer hätte darauf verzichten können).

Denn Aue konnte erneut ausgleichen. In der 53. Minute stand es plötzlich 21:21. Die Verunsicherung der Gastgeber schien immer greifbarer zu werden. Gut, dass auch zu diesem Zeitpunkt auf Thees Glabisch Verlass war. Er netzte zum 22:21 ein. Noch sechs Minuten – und es gab die Chance auf den Sieg: Im Gegenangriff gelang Aue kein Treffer, der VfL war wieder im Ballbesitz, konnte den Kreis freispielen, aber Steffen Köhler scheiterte am guten Torwart der Auer, Vilius Rasimas. Die 59. Minute: Ausgleich durch Brykner – Auszeit VfL. Und die brachte den gewünschten Erfolg: Markus Hansen konnte zum 23:22 abschließen. Noch 30 Sekunden. Auszeit Aue: Stephan Swat brachte den siebten Feldspieler, schaffte so eine weitere Anspielmöglichkeit am Kreis und eine dieser beiden Optionen fand der Auer Spielmacher Benas Petreikis in Bengt Bornhorn, der mit der Schlusssirene den am Ende wohl verdienten Ausgleich erzielen konnte.

VfL Trainer Piotr Przybecki mit seinem Fazit: „Es war ein kampfbetontes Spiel und wir haben diesen Kampf angenommen, besonders in der Abwehr. Leider hat uns im Angriff die Effektivität gefehlt, wir haben bestimmt zehn freie Bälle verworfen. Die Umstellung der Auer Abwehrformation auf 5:1 war für mich mitentscheidend. Das hat unseren Rhythmus in der Schlussviertelstunde völlig unterbrochen. Trotzdem hat meine Mannschaft alles gegeben, um heute zwei Punkte hier zu behalten. Am Ende müssen wir aber verdientermaßen einen Punkt nach Aue ziehen lassen.“

2019-11-22T09:47:41+00:00Donnerstag, 21. November 2019|