Endlich wieder ein Sieg!

VfL Lübeck-Schwartau bezwingt den TV Emsdetten im Spiel eins nach der Ära Michael Friedrichs mit 28:22

Die 1.753 Zuschauer in der Hansehalle erhoben sich bereits Minuten vor dem Abpfiff begeistert von ihren Plätzen. Damit schloss sich ein Kreis, denn so stimmungsvoll, wie das Spiel endete, so begann es auch. Das Publikum war von Anfang an voll da und unterstützte die Mannschaft in dieser ungemütlichen Zeit – ein dickes Dankeschön an die Fans! Und der VfL lieferte. Bereits nach 30 Sekunden erzielte Finn Kretschmer das 1:0 und sorgte damit für die erste Jubel-Eruption auf den Rängen. Selten war die Stimmung so schnell so gut – ein Zeichen, dass den VfL-Fans die besondere Bedeutung dieses Kellerduells bewusst war.

Dem TV Emsdetten war das aber naturgemäß eher egal. Nach drei Siegen in Folge traten die Westfalen an, um die Krise des VfL weiter zu vergrößern. Bis zur siebten Minute hatte die Mannschaft von Daniel Kubes die Anfangsführung der Schwartauer nicht nur egalisiert, sondern in einen 2:4-Rückstand der Hausherren gedreht. Mit schnell vorgetragenen Angriffen rissen sie immer wieder Lücken in den Lübecker Deckungsverbund und kamen so zu Torerfolgen, für die im ersten Durchgang vor allem der wie immer treffsichere Dirk Holzner (insgesamt 5 Tore, davon 4 Siebenmeter) verantwortlich war.

VfL mit Steigerung im ersten Durchgang

TV E-Trainer Kubes zur Anfangsphase: „Wir haben heute viel investiert und sind gut ins Spiel gekommen. Wir haben dann aber leider Mitte der ersten Halbzeit drei einfache Fehler hintereinander gemacht und dem VfL erlaubt, die Führung nicht nur zurückzuholen, sondern auch noch etwas auszubauen.“ Die von Kubes angesprochene Phase lag zwischen der 12. und 20. Minute, in der die Mannschaft von Piotr Przybecki von 5:5 auf 10:5 davonziehen konnte. Es klappte zwar bei weitem noch nicht wieder alles, aber mit zunehmender Spieldauer war zu sehen, wie das Selbstvertrauen zurückkam. Die sich bietenden Gegenstöße wurde konsequent zu Ende gebracht und in den Rückraumaktionen (z. B. bei Mex Raguse / 4 Tore) lag von Minute zu Minute mehr Überzeugung. So konnte der VfL seinen Vorsprung bis zur Halbzeit halten und die Seiten wurden mit 15:11 gewechselt.

Emsdetten war damit natürlich noch nicht geschlagen. Gerade der Emsdettener Johannes Wasiliewski drehte jetzt mächtig auf. Der Rückraum-Rechte erzielte fünf seiner acht Tore in den zweiten 30 Minuten und war ein Garant für die Spannung im Duell Tabellen-15. gegen -12. Und der VfL half etwas mit. Bis zur Mitte der zweiten Halbzeit wurden einige Torchancen leichtfertig vergeben und der TV E nahm noch einmal Tuchfühlung auf. Beim 24:21 in der 51. Minute schien die aktuelle Tabellensituation etwas ins Bewusstsein der VfL-Akteure gerückt zu sein und sich als zusätzliche Last im Wurfarm zu manifestieren. Aber genau in dieser Phase legte die Halle noch ein paar Dezibel oben drauf und erinnerte ihre Mannschaft an den Auftrag für diesen Spieltag: den Bock umstoßen!

Negativtrend gestoppt – positive Arbeit fortsetzen

Die Abwehr machte im Verbund mit Klockmann jetzt wieder die Schotten dicht und erlaubte den Gästen nur noch ein Tor in den verbleibenden neun Spielminuten. Und auf der gegenüberliegenden Seite nutzen Steffen Köhler, Markus Hansen und Janik Schrader die sich ihnen bietenden Möglichkeiten zum 25, 26 und 27:21. Die Entscheidung war gefallen! Die Mannschaft hat gekämpft (das konnte man erwarten) und nach anfänglicher Verkrampftheit den Sieg herausgespielt, freie Wurfmöglichkeiten kreiert und immer wieder den Kreis gefunden. Das zeigt, dass die Qualität da ist und nur wieder freigelegt werden muss. Herausragende Akteure in einer sonst sehr homogenen Mannschaft waren an diesem Abend Dennis Klockmann (15 Paraden / 44%) und vor allem Steffen Köhler! Er erzielte sechs Tore und war in der Defensive zusammen mit Jan Schult mehr als ein Ersatz für die verletzten Martin Waschul, Fynn Ranke und Pawel Genda im Innenblock.

Den Endstand 28:22 kommentierte Gästetrainer Daniel Kubes: „Der VfL hat verdient gewonnen, vielleicht sogar in der Höhe. Der Knackpunkt lag für mich in der zweiten Halbzeit, als wir beim Stand von 24:21 eine Zeitstrafe kassieren und Schwartau wieder davonziehen lassen mussten. Wir waren heute einfach nicht gut genug.“ Piotr Przybecki sah die Erfolgsfaktoren unter anderem im Zweikampfverhalten: „Wir waren aggressiv und das von Anfang an. Klocki hat dazu überragend gehalten und uns einige Tempogegenstöße ermöglicht. Ich hatte viel Respekt vor Emsdetten, denn sie haben sich in dieser Saison gut entwickelt. Die Siege gegen Gummersbach und Bietigheim sprechen eine eigene Sprache. Aber wir haben es häufig geschafft, ihre Angriffe zu stoppen und sie insgesamt bei nur 22 Toren zu halten.“ Und VfL-Co-Trainer Matthias Deppisch ergänzt: „Das war heute ein Spiel der Emotionen, nicht nur ,weil wir im Tabellenkeller stecken, sondern auch ,weil in der vergangenen Woche die Ära von Michael Friedrichs zu Ende gegangen ist. Beides ist an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Dieser Sieg war ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg in höhere Tabellenregionen. Das Spiel entsprach auch vom Tempo mehr unseren Ansprüchen. Außerdem glaube ich, dass wir die zwei Punkte auch ein bisschen für Friedel geholt haben, der durch seine Arbeit in den vergangenen Jahren dafür gesorgt hat, dass wir hier in Lübeck mit dem VfL ein Top-Produkt haben. Auch daran denke ich an diesem tollen Handballabend.“

2019-11-10T08:57:32+00:00Samstag, 9. November 2019|