Erfolgreiches VfL-Spektakel in der Hansehölle

Mit 31:27 gewinnt der VfL Lübeck-Schwartau gegen den TSV Bayer Dormagen und bleibt damit auch im fünften Heimspiel der Saison ohne Verlustpunkt.

Der VfL, der ohne Spielmacher Dadi Runarsson und Kreisläufer Marcel Möller antreten musste, stand vor einer anspruchsvollen Herausforderung: die besten Abwehr (Schwartau) traf auf eine der stärksten Angriffsformationen (Dormagen) der zweiten Handball-Bundesliga. Ein Duell auf Augenhöhe stand bevor. Ebenfalls ausgeglichen war über das gesamte Spiel das Dezibel-Duell beider Fangruppierungen, das Unentschieden ausgegangen sein dürfte. Ergebnis beider Vergleiche war ein Abend mit einem hohen Unterhaltungswert!

Holpriger Auftakt mit ausgeglichenem Verlauf

In der Anfangsphase wogte das Spiel hin und her. Bereits hier war zu erahnen, wie es sich entwickeln würde: ausgeglichen und extrem temperamentvoll. Beide Angriffsreihen waren druckvoll und suchten ihre Möglichkeiten, waren dabei aber auch nicht fehlerfrei. Tolle Spielzüge und erfolgreiche Abschlüsse wechselten sich mit Steals, technischen Fehlern, vergebenen Siebenmetern und verworfenen Tempogegenstößen ab. Dormagen agierte dabei in einer offensiven 5-1-Deckung und war im Angriff sehr variabel. Der Lohn: ein 5:5 nach 10 Minuten.

Die erste, richtungsweisende 2-Tore-Führung der Lübecker gab es, als Steffen Köhler gefühlvoll vom Kreis und Finn Kretschmer mit einem Rückhand-Tor zum 9:7 trafen (17.). Beide Treffer waren sinnbildlich für das Spiel: hohes Tempo und schöne Abschlüsse.

Vorteile für den VfL ab Mitte der ersten Halbzeit

Das Spiel wirkte teilweise etwas konfus. Das war zum einen dem enormen Tempo geschuldet, zum anderen aber auch einigen unglücklichen Aktionen der Spielleitung. Gäste-Coach Ulli Kriebel: „Der Sieg der Schwartauer war sicherlich verdient. Meine Mannschaft hat sich aber gerade in der ersten Halbzeit durch die teilweise unsouveräne Leitung von Kampfgericht und Schiedsrichtern aus der Ruhe bringen lassen – wenngleich das nicht der alleinige Grund für die Niederlage war. Trotzdem haben wir auch dadurch einfache Fehler gemacht und der VfL konnte auf fünf Tore zum 18:13 davonziehen.“

Die Führung hätte sogar noch deutlicher ausfallen können, wenn der VfL seine Angriffe kurz vor der Halbzeit etwas konzentrierter zu Ende gespielt hätte. So wurden mit 19:14 die Seiten gewechselt.

Fazit der ersten 30 Minuten: Temperatur, Stimmung und Blutdruck waren bei allen aktiven und passiven Beteiligten gleichermaßen hoch – es gab viel Handball für das Eintrittsgeld!

Nach der Pause klare Verhältnisse?

In den ersten zehn Minuten nach der Pause dasselbe Bild: Der VfL mit beruhigender Führung. Dormagen ließ den Vorsprung zwar nicht größer werden, kam aber auch nicht wesentlich dichter an die Schwartauer heran (25:21, 43. Minute). Das sollte sich allerdings bis zur 51. Minute ändern. Torhüter Sven Bartmann, der insgesamt elf Parade beisteuerte, wurde jetzt prägender. Er und der unbekümmerte Handball der Gäste brachte diese Tor um Tor heran, sodass es neun Minuten vor dem Ende nur noch 26:25 für die Lübecker stand.

Torge Greve zu dieser Phase des Spiels: „Dormagen spielt unbekümmert und frech. Das ist sehr erfrischend und führte dazu, dass sie noch einmal Tuchfühlung zu uns aufnehmen konnten. Wir haben aber gut dagegengehalten und alles in die Waagschale geworfen. Deshalb bin ich mit meiner Mannschaft sehr zufrieden. Besonders Dennis Klockmann hat seinen Kasten in den letzten Minuten nahezu vernagelt (knapp acht Minuten ohne Gegentor) und drei bis vier hundertprozentige Chancen entschärfen können. Das hat am Ende den Ausschlag gegeben.“ Aber auch für den Angriff findet der Coach lobende Worte: „Ich freue mich, dass wir gegen die offensive Deckung immer wieder gute Lösungen gefunden haben. Klar ist, das kannst Du keine 60 Minuten auf dem Niveau halten. Aber wir haben auch nach Rückschlägen nicht aufgesteckt. Das war gerade für den Kopf ein sehr anstrengendes Spiel. Dormagen hat uns viel abverlangt, aber am Ende hat es für uns gereicht.“

Große Freude bei den Fans in der Halle und vielleicht auch darüber hinaus …

Wer den Weg in die Halle gefunden hat, und das waren immerhin 1.814 Menschen, hat es sicherlich nicht bereut. Das war Handball-Unterhaltung auf hohem Niveau und ein weiterer Schritt des VfL zum Premium-Unterhaltungsprodukt in unserer Region.

Darüber hinaus stand der heutige Abend aber auch im Zeichen einer viel größeren Sache als der Unterhaltung: Anna Lina und ihrer Familie. Beide Vereine haben versucht, fernab des sportlichen Wettstreits etwas zur Unterstützung beizutragen. So fließen je fünf Euro je erzieltem Tor und gehaltenem Ball, aber natürlich auch die Beiträge aus der Spendenbox, der Trikotversteigerung und der Aktion Becherpfand direkt an die Familie.

 

2018-10-14T09:51:24+00:00Sonntag, 14. Oktober 2018|