Gedämpfte Freude nach einem Punkt in Rimpar

VfL Lübeck-Schwartau erarbeitet sich ein 18:18 bei der DjK Rimpar Wölfe, verliert aber Raguse und Schult.

Als der Schlusspfiff der guten Schiedsrichter Jansen / Hellbusch ertönte, konnten die 1.312 Zuschauer in der S.Oliver-Arena ihre Enttäuschung nicht verbergen. Eine halbe Minute vor Schluss erzielte ihr Kapitän Patrick Schmidt mit seinem neunten Treffer die erste Führung für die DjK – 18:17. Aber der VfL kam noch einmal zurück! Tim Claasen wurde im letzten Angriff mustergültig freigespielt und ging konsequent in die Rimparer Deckung. Lediglich ein Foul verhinderte seinen Torerfolg – Siebenmeter. Janik Schrader (mit fünf Toren zusammen mit Jasper Bruhn bester Werfer beim VfL) zeigte keine Nerven und verwandelte zum Ausgleich, der gleichzeitig auch der Endstand war. Wer also nur die letzte Spielminute betrachtete, durfte aus Rimparer Sicht zu Recht enttäuscht sein. Wer aber auch die übrigen 59 Minuten gesehen hatte, kam wohl eher zum Schluss, dass es ein glücklicher Punktgewinn für die Mannschaft aus dem Kreis Würzburg war.

Zum Anfang: Das Spiel begann zögerlich. Der erste Treffer glückte Jasper Bruhn erst in der fünften Minute, dem Martin Waschul dafür aber umgehend den zweiten folgen ließ – 2:0 VfL! Rimpar hingegen musste bis zur achten Minute warten, ehe das erste eigene Tor bejubelt werden konnte. Dafür hatte sich die Mannschaft von Ceven Klatt bereits drei technische Fehler geleistet. Die DjK tat sich gerade im Angriff enorm schwer gegen eine gute VfL-Abwehr, die beweglich agierte und häufig noch entscheidend eine Hand an den Ball bekam. Das war wieder ein Schritt in die richtige Richtung!

Offensive mit Sand im Getriebe

Auf der gegenüberliegenden Seite hatte aber auch der VfL Lübeck-Schwartau seine Probleme in der Offensive. Und die wurden nicht kleiner, als erst Mex Raguse (Knie) verletzungsbedingt ausfiel (2.) und etwas später auch Jan Schult (Schlag in die Rippen) angeschlagen passen musste (16.). Das Pech bleibt dem VfL nach den schweren Verletzungen von Pawel Genda und Nicola Potic sowie dem kurzfristigen Ausfall von Fynn Kretschmer also treu. Eine Treue, auf die man verzichten kann! Das wirkte sich aber natürlich auf die Durchschlagskraft aus dem Rückraum aus – der VfL musste über ¾ des Spiels ohne echten Shooter auskommen.

Unter diesen Rahmenbedingungen löste die Mannschaft von Piotr Przybecki die Herausforderung sehr ordentlich. Immer wieder gelangen Durchbrüche im Angriff, und insbesondere Jasper Bruhn hielt in dieser Phase den Vorsprung seiner Mannschaft, traf beim 9:8 (27.) bereits zum vierten Mal – stark! Randnotiz: Welche Stilblüten die aktuelle Personalsituation produzierte, war in der 28. Minute gut zu sehen. Schwartau agierte zeitgleich mit Hansen, Claasen und Runarsson, also drei Spielmachern, wovon Runarsson auf der Rechtaußenposition sein Glück versuchen musste. Dennoch konnte der VfL seine Führung in die Halbzeit bringen: 10:9 – das stimmte vor allem deswegen optimistisch, weil auch die DjK Rimpar nach zuletzt wenig überzeugenden Spielen gerade im Angriff etwas verunsichert schien. Lediglich Patrick Schmidt hielt den Abstand seiner Mannschaft in erträglichem Rahmen, traf vor dem Seitenwechsel dreimal in Folge.

Dramatik in den letzten Minuten – Die Chance auf den Sieg war da

In der zweiten Halbzeit blieb die Spannung erhalten. Das lag auch daran, dass der VfL beim Stand von 13:12 eine doppelte Überzahl nicht nutzen konnte, um wesentlicher davon zu ziehen. Erst in der 50. Minute gelang es Dadi Runarsson, seine Farben wieder einmal mit drei Toren in Front zu werfen. Eine Vorentscheidung? Nein! Ein Doppelschlag von Schmidt bracht Rimpar wieder auf ein Tor heran und hielt die Hoffnung der Heimmannschaft auf einen Punkterfolg am Leben. Die Lübecker, die wieder mit drei Rechtshändern im Rückraum spielten, hatten jetzt große Mühe, in aussichtsreiche Abschlusssituationen zu kommen. Und wenn es doch einmal eine freie Möglichkeit gab, stand Torwart-Oldie (but Goldie) Max Brustmann im Weg und zeigte eine seiner zehn Paraden.

In der 59.Minute gab es sie dann doch – die Möglichkeit auf den Sieg. Janik Schrader konnte sich auf halbrechts durchtanken und hatte das 18:17 in der Hand. Er scheiterte aber sehr unglücklich an der Latte. Der Rest ist bereits bekannt und es hat etwas von ausgleichender Gerechtigkeit, dass der Mann, der das 18:17 nicht erzielen konnte, zumindest den einen Punkt gerettet hat.

Piotr Przybecki zieht ein kämpferisches Fazit: „Ich mache meiner Mannschaft ein riesen Kompliment. Wir haben heute nach den beiden weiteren Ausfällen im Spiel keine einfachen Tore aus dem Rückraum erzielen können. Die Jungs haben sich jeden einzelnen Treffer schwer erarbeitet. Und das macht mich stolz. Man sollte im Blick behalten, dass hier zwar der 10. gegen den 13. gespielt hat, aber andererseits die zweitbeste gegen die drittbeste Abwehr auf dem Feld stand. Wir haben in der Defensive solide gestanden und kämpferisch alles gegeben. Dass die Rimparer Zuschauer enttäuscht sind, kann ich nach der letzten Minute verstehen, aber sie sollten unter dem Strich froh sein über den Punkt ihrer Mannschaft. Wir waren das dominante Team.“

Dies sah Rimpar-Trainer Ceven Klatt ähnlich: „Ich bin nicht undankbar für dieses Ergebnis. Wir haben fast 60 Minuten hinten gelegen. Ich glaube, wir haben heute eher einen Punkt gewonnen als verloren. Ich bin auch deswegen zufrieden, weil wir uns im Vergleich zum letzten Spiel in Hamburg gesteigert haben.“

Der VfL kann sich also auch weiterhin auf seine Defensive verlassen und erzielte das zweite Unentschieden in Folge. Das bringt den Rücken zwar in der Tabelle nicht von der Wand, ist aber für die Moral in der aktuellen Lage gut. Hoffen wir, dass die beiden Verletzungen nicht so schlimm sind und Mex Raguse sowie Jan Schult gegen Coburg am kommenden Wochenende wieder dabei sein können.

2019-11-29T09:55:08+00:00Donnerstag, 28. November 2019|