Leidenschaftiger Heimsieg mit Gänsehaut

VfL Lübeck-Schwartau gewinnt das letzte Heimspiel gegen den ASV Hamm mit 37:35 und verabschiedet sich tränenreich aus der Saison 2018 / 2019.

Es war ein Saisonabschluss nach Maß, und hätte man ihn planen können, er wäre wohl nicht großartig anders verlaufen. 2.176 Zuschauer gaben dem Spiel, in dem der Handball zumindest zeitweise zur Nebensache degradiert wurde, einen würdigen Rahmen und die Akteure auf dem Spielfeld wussten diesen zu nutzen.

Mit einem der erfolgreichsten Spielzüge der letzten Wochen begann der VfL das Spektakel: Jonas Ottsen auf Steffen Köhler am Kreis, 1:0 VfL (2.). Und da auch Hamm gewillt war, das für die Tabelle bedeutungslose Spiel nicht zu einem Betriebsausflug verkommen zu lassen, entwickelte sich ein offener, zu Beginn ausgeglichener, Schlagabtausch (2:4, 6.). Die Gästemannschaft von Trainer Kay Rothenpieler übte dabei ebenfalls über den Kreis viel Druck aus, insbesondere weil sie offensiv fast 40 Minuten lang mit sieben Feldspielern agierte. Aber der VfL Lübeck-Schwartau hatte an diesem Abend auf fast alles eine passende Antwort (z. B. fünf Treffer in das verwaiste Hammer Tor) und weil die Westfalen Mitte der ersten Halbzeit etwas unkonzentriert wurden, konnten Jonas Ottsen, Antonio Metzner und Co. bis zur Halbzeit auf 21:16 davonziehen.

Noch einmal HANSEHÖLLE

In der zweiten Hälfte brachten die VfL-Coaches Gerrit Claasen und Jörg Engelhardt frische Kräfte aufs Parkett, ohne dass jedoch der Spielfluss darunter litt. Ein Beleg für die Ausgeglichenheit im Kader, die wohl ein Grund für den Erfolg in dieser Saison war – auch auf den zweiten Anzug (wenn es den überhaupt gibt) war Verlass. Ein weiterer Pluspunkt, der oft gerade in knappen Duellen den Unterschied machte, war der überragender Kampf- und Teamgeist. Stellvertretend für die ganze Mannschaft liefert dafür Dadi Runarsson in der 32. Minute einen anschaulichen Beleg, als er beim Stand von 22:17 einen Tempogegenstoßpass des ASV spektakulär abfing.

Ab der 40. Spielminute hatte es dann den Anschein, als würden die Schwartauer der Temperatur und dem Tempo Tribut zahlen müssen. Leichte Fehler im Angriff erlaubten Hamm, wieder etwas Tuchfühlung aufzunehmen (25:22). Darüber hinaus fand der ASV jetzt auch immer wieder Möglichkeiten, die VfL-Abwehr auseinander zu ziehen (mehrere sehenswerte Pässe von Halblinks auf Rechtsaußen) und kam zu guten Abschlüssen.

In der 50. Minute war der Schwartauer Sechs-Tore-Vorsprung dahingeschmolzen und das Momentum eigentlich auf der Seite der Gäste. Aber ein weiterer Faktor für viele erfolgreiche Spiele kam jetzt zum Tragen: Die Fans in der Halle drehten deutlich wahrnehmbar am Emotionsregler und peitschen ihre Mannschaft zurück in die Erfolgsspur. Insgesamt stehen am Ende der Saison auch aufgrund dieser Erfolgssymbiose zwischen Mannschaft und Anhang 16 Heimsiege (bei 19 Spielen)! Für das Spiel bedeutete das: Tim Claasen, Jonas Ottsen und Antonio Metzner (die beiden Letztgenannten noch einmal mit starken letzten 60 Minuten für ihren VfL) kamen zurück aufs Feld und führten ihre erfolgreiche Arbeit aus der ersten Halbzeit fort – und den VfL auf die Siegerstraße (Endstand 37:35).

Tränenreiche letzte Minuten

Aber das geriet am Ende fast schon zur Nebensache. In der 44. Minute verabschiedete sich Basti Damm (wechselt zum Bergischen HC) unter stehenden Ovationen und sichtlich gerührt von seinem VfL. Gleiches galt in der 55. Minute für Antonio Metzner (HC Erlangen). Jonas Ottsen (HC Empor Rostock) war bis zum Schlusspfiff auf dem Feld und machte eines seiner besten Spiele im VfL-Dress (zusammen mit Steffen Köhler bester Werfer mit sieben Toren). Der absolute Gänsehautmoment war allerdings Toni Podpolinski vorbehalten, der für Metzner eingewechselt wurde und nach elf Jahren in Schwartau die letzten fünf Minuten seiner beeindruckenden Karriere spielte. Die Anfeuerungsrufe der Schwartauer Fans hatten da längst einen neuen Text: Aus „VfL, VfL“ wurde „Podde, Podde“. Und so endete diese lange und anstrengende Saison 2018 / 2019 mit vielen lachenden und weinenden Augen.

Jörg Engelhardt mit einem abschließenden Statement: „Wir, das Trainer-Team, möchten uns nochmal ausdrücklich bei der Mannschaft für die perfekte Zusammenarbeit bedanken. Das Gleiche möchte ich auch an Gerrit Claasen richten.“ Und hinsichtlich der Prioritäten für die nächsten Wochen ergänzt der Co-Cheftrainer, der sich in der kommenden Saison wieder voll auf die Arbeit mit den Torhütern konzentrieren wird: „Ich wünsche allen einen schönen Sommer!“

Das Schlusswort war Gerrit Claasen vorbehalten: „Es war ein glänzender Abschluss einer überaus erfolgreichen Zeit. Die Zusammenarbeit zwischen Jörg und mir, dem Team und auch allen Trainern, Ärzten und Physios ist herausragend gut gewesen. Der Einsatz aller zeigt, was mit Gemeinsamkeit und Vertrauen erreicht werden kann.“

Für die Statistikfreunde: Der VfL beendet die Spielzeit auf einem hervorragenden fünften Tabellenplatz und stellt erneut die beste Abwehr der Liga (929 Gegentreffer). Antonio Metzner war erfolgreichster Werfer (189 Tore, Platz 8) der Mannschaft und im Zuschauerranking steht ebenfalls der fünfte Platz (1.978 Besucher im Schnitt).

Die Mannschaft und das Team im Hintergrund bedankt sich bei allen Fans, Unterstützern und Förderern, wünscht ihnen einen tollen Sommer und freut sich auf den 24.07. Dann nämlich begrüßt der VfL unter dem neuen Trainer Piotr Przybecki den THW Kiel – und vielleicht auch Sie! Bis dahin, alles Gute!

2019-06-09T13:33:49+00:00Sonntag, 9. Juni 2019|