Nichts zu verlieren – VfL gastiert beim Tabellenzweiten

Lübeck-Schwartau fährt als Außenseiter zum HSC Coburg, ist aber sicherlich nicht chancenlos.

Insbesondere nach den beiden letzten Spielen mit enttäuschendem Ausgang (23:31 in Dormagen und 19:21 gegen Hüttenberg) dürften die Erwartungen an das Team von Gerrit Claasen und Jörg Engelhardt nicht allzu groß sein. Es wird nicht viele Experten geben, die den Schwartauern einen Sieg in Coburg zutrauen. Und genau das könnte sich als Chance entpuppen, denn die Ostholsteiner können eigentlich befreit aufspielen.

Hilfreich war nach den beiden Schlappen sicherlich auch, dass der VfL durch die EM-Qualifikation der Deutschen Nationalmannschaft etwas mehr Zeit hatte, die vergangenen Auftritte zu verarbeiten. Kleine Randnotiz: auch vor dem Hinspiel gab es eine Länderspielpause – danach siegte der VfL mit 28:22. Ein Omen? Gerrit Claasen über die letzten zwei Trainingswochen: „Wir haben die spielfreie Zeit genutzt, um über verschiedene Themen zu sprechen, die für uns in den beiden letzten Partien sichtbar waren. Unser Fokus ist daher in erster Linie auf uns selbst gerichtet, auf unseren Einsatz und unsere Leistungsfähigkeit. Für das Spielergebnis erwarten wir in erster Linie eine Steigerung. „

Der HSC 2000 Coburg wünscht sich sicherlich keine Wiederholung des Hinspielverlaufes, insbesondere vor dem Hintergrund der wenigen Restspiele. Die Oberfranken stehen auf dem zweiten Tabellenplatz und verfügen aktuell über drei Punkte Vorsprung auf Nordhorn und fünf auf Hamm. Das ist natürlich kein beruhigendes Polster, aber der HSC dürfte trotzdem sehr gute Karten im Aufstiegsrennen haben. Verantwortlich dafür ist vor allem die Offensivkraft – Coburg verfügt hinter Essen über den zweitbesten Angriff (846 Tore – der VfL traf 717 mal ins gegnerische Tor). Dabei verteilt sich die Last (oder vielmehr die Freude über erfolgreiche Abschlüsse) auf mehrere Schultern. Zwar findet sich kein Spieler ganz weit vorne in der Torjägertabelle, aber dafür haben gleich drei Akteure mehr als 100 Treffer erzielt (Billek 126, Zettermann 114, Prakapenia 105). Zudem steht mit Jan Kulhanek ein erfahrener und in dieser Saison besonders sicherer Schlussmann (drittmeisten Paraden in der Liga) zwischen den Pfosten. Insgesamt also ein rundes Paket, das Trainer Jan Gorr zur Verfügung steht.

Jörg Engelhard schätzt genau dies: „Das Team ist eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Sie verfügen über einen sehr guten Gegenstoß, üben viel Druck aus dem Rückraum aus und setzen Ihre Außen gut ein.“ Und Gerrit Claasen ergänzt: „Die Mannschaft des HSC ist sehr stabil und hat kaum Einbrüche. Damit steht sie zu Recht auf dem Aufstiegsplatz. Nachdem das Team in der Hinserie von Verletzungen betroffen war, ist auch dieser maßgebliche Faktor, anders als bei uns, inzwischen kein Problem mehr.“

VfL mit akribischer Vorbereitung, Leichtigkeit und Jan Schult

Ein wichtiger Mosaikbaustein wird in der Spielstrategie wieder Jan Schult sein. Er war nicht nur im Hinspiel erfolgreichster Akteur auf dem Feld (acht Tore), sondern stach auch in den letzten Partien heraus. Auf ihm ruhen die Hoffnungen der VfL-Fans. Auch Gerrit Claasen sieht seinen Halblinken in einer guten Verfassung: „Jan ist nach dem letzten Spieltag zu Recht in die Mannschaft der Woche gewählt worden. Er leistet viel für die Mannschaft und ist für unsere Gegner immer wieder schwer auszurechnen. Aber dazu sind noch mehr unserer Jungs in der Lage. Gerade unsere anderen erfahrenen Spieler müssen wieder mehr Verantwortung übernehmen.“ Das sieht auch Jörg Engelhardt so: „Wir brauchen eine gute Defensive und viel Geduld im Angriff. Die notwendige Qualität dazu haben wir und auf die konzentrieren wir uns in der Spielvorbereitung. Der Druck liegt aus meiner Sicht eher bei Coburg. Wir hätten nichts dagegen, wenn wir den nach dem Spiel noch etwas erhöht hätten und über eine gute Partie zurück zu unserer Leichtigkeit gefunden hätten.“

2019-04-19T13:06:59+00:00Donnerstag, 18. April 2019|