Rückrundenstart vor der EM-Pause

Der VfL Lübeck-Schwartau empfängt am 26.12. um 17.00 Uhr die HSG Krefeld

Weihnachten – Zeit der Besinnlichkeit und Ruhe. Aber nicht für die Handballer der zweiten Bundesliga, so auch denen des VfL Lübeck-Schwartau! Am zweiten Feiertag eröffnet die Mannschaft von Piotr Przybecki die Rückrunde mit einem Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Krefeld. Ein Neuanfang? Das wäre zu hoffen. Die Lübecker bewegen sich auf ungewohntem Terrain, sind mittlerweile Tabellen-14. und nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Fünf Siege stehen auf der Habenseite, neun Niederlagen waren zu ertragen und dreimal spielten die VfLer unentschieden. In Teilen ist diese Entwicklung herleitbar: Ein neuer Trainer, schwere Verletzungen von Hoffnungsträgern (Potic, Genda, Raguse), eine daraus resultierende Offensivschwäche und eine dem Tabellenplatz geschuldete Nachdenklichkeit, die in Hände und Beine zu wandern schien. Von der in den letzten Jahren gewohnten Tabellenspitze spielt es sich deutlich einfacher.

Der Trainer mit einem kleinen Fazit zur Hinserie: „Wir sind gut gestartet. Der Pokal lief ordentlich und die ersten beiden Spiele waren auch zufriedenstellend. Dann aber setzte etwas ein, was uns über fünf Monate begleitete. Eine Verletzung folgte der nächsten und auch von schweren Rückschlägen wurden wir nicht verschont. Von einem guten Rückraum standen uns in der Mehrzahl der Spiele nur die Hälfte meiner Akteure zur Verfügung. Der letzte Rückschlag trägt den Namen Jan Schult. So etwas kannst Du zwei- oder dreimal verkraften, dann aber hört es auf. Trotzdem haben wir tolle Spiele gemacht. Ich denke da an Gummersbach, Bietigheim oder Coburg. Wir sind intakt. Das bleibt bei mir haften. Und mit etwas Erholung in der EM-Pause und vielleicht der einen oder anderen Verstärkung wollen wir 2020 in sicheres Fahrwasser kommen.“

Vor der EM-Pause steht Krefeld

Eine Zäsur scheint also genau richtig zu kommen, auch wenn es vorerst nur eine gefühlte ist. Die Rückrunde beginnt und mit ihr hoffentlich eine Aufholjagd, um schnellstmöglich wieder Anschluss an das Mittelfeld zu finden. Mit der HSG Krefeld begrüßt der VfL einen Gegner, der ebenfalls nicht vor Selbstvertrauen strotzen dürfte. 2:32 Punkte bedeuten Tabellenplatz 18: Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt bereits beachtliche zehn Zähler.

Die Aufstiegseuphorie der Krefelder war also schnell verflogen. Lediglich beim 30:26-Heimsieg gegen den TSV Bayer Dormagen am achten Spieltag wurden Erinnerungen an die erfolgreiche Aufstiegssaison 2018/19 wach. Dieses Erfolgserlebnis blieb allerdings ein Einzelfall. Ansonsten hagelte es zum Teil deutliche Niederlagen (20:32 in Coburg, 16:29 in Gummersbach oder 22:34 in Hamm). So etwas bezeichnet man als Lehrgeld. Im Vorjahr noch mit dem besten Angriff und der besten Defensive ausgestattet, hat die HSG in diesem Jahr die zweitwenigsten Treffer erzielt und die zweitmeisten Gegentore kassiert.

Eine Konsequenz dieser enttäuschenden Bilanz war die Beurlaubung von Trainer Arnar Gunnarsson nach der Heimniederlage gegen Konstanz (18:28). Er wurde von einem Gespann ersetzt: Felix Linden und Mannschaftskapitän Tim Gentges als mitspielender Co-Trainer haben das Ruder übernommen. Der erste Auftritt des neuen Duos war durchaus erfolgsversprechend. Gegen den HSV Hamburg zogen die Niederrheiner mit 26:29 nur knapp den Kürzeren.

Krefeld wie ein angeschlagener Boxer

Piotr Przybecki mit einem Blick auf den Gegner: „Nach dem Trainerwechsel wollen naturgemäß alle Spieler beweisen, was in ihnen steckt. Gegen den HSV war das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Die neuen Trainer haben der Abwehr mehr Stabilität verordnet, indem sie von 5:1 auf 6:0 umgestellt haben. Wir dürfen sie auf keinen Fall unterschätzen. Sie haben zwar nur zwei Punkte, aber das bedeutet auch, dass sie jede Chance auf einen weiteren Erfolg nutzen wollen, ja müssen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Das ist immer gefährlich.“

Gefährlich für den VfL war auch über eine lange Zeit das Hinspiel. Am Ende gewannen die Schwartauer mit 24:16 in Krefeld. Aber bis zur 47. Minute verlief die Partie äußerst ausgeglichen. Einen wesentlichen Anteil daran hatte der Krefelder Kevin Christopher Brüren mit acht Toren. Er ist auch mit 73 Saisontreffern der erfolgreichste Spieler seiner Mannschaft und wird voraussichtlich auch am 26.12. wieder der Spieler sein, den es zu stoppen gilt. Das muss der VfL dann ohne Jan Schult probieren. Der Rückraumkanonier verletzte sich gegen Dormagen bereits früh und konnte nicht weiter mitwirken. Diagnose: Muskelfaserriss im Oberschenkel. Für ihn ist das Kalenderjahr damit vorzeitig beendet.

Was erwartet der Trainer von seiner Mannschaft im letzten Spiel 2019? Przybecki: „Wir dürfen uns nicht noch einmal solche Anfangsphasen in der ersten und zweiten Halbzeit erlauben wie gegen Dormagen. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir zu viele einfache Fehler gemacht. Daraus resultierte, dass Dormagen mit fünf und nicht nur mit einem Tor geführt hat. Das setzte uns unnötig unter Druck und wir mussten ständig einem beträchtlichen Rückstand hinterherlaufen. Gegen Krefeld brauchen wir ein besseres Rückzugsverhalten. Dormagen hat uns teilweise überrannt. Da waren wir etwas zu behäbig. Und offensiv würde ich mich freuen, wenn wir auch ohne Positionsangriff ein paar Tore erzielen würden. Erste und zweite Wellen müssen dazu konsequenter vorgetragen werden. Wir haben das alles drin, müssen es nur einmal über 60 Minuten zeigen.“

Neue Kraft tanken in der EM-Pause

Nach dem Spiel geht es für alle VfLer in eine verdiente und benötigte Kurzpause. Die Europameisterschaft verschafft den angeschlagenen Akteuren etwas Luft zum Verschnaufen und die Möglichkeit zur Regeneration. Dann aber soll hart gearbeitet werden, um eine erfolgreichere zweite Saisonhälfte zu spielen. Noch einmal der Coach: „Wir wollen weiter an der Abstimmung unserer Defensive arbeiten. Vor allem aber werde ich einen Schwerpunkt auf die Offensivarbeit legen. Unsere Angriffe müssen breiter angelegt werden, weil uns die Shooter aus dem Rückraum auch im zweiten Abschnitt der Spielzeit fehlen werden. Es hat keinen Sinn, über einen großen Mittelblock werfen zu wollen, wenn Dir dafür die Mittel fehlen. Wir müssen andere Lösungen finden und die könnten bei den Außen liegen. Das macht uns auch wesentlich variabler im Angriff und so entstehen zwangsläufig Lücken in der gegnerischen Abwehr. Je flexibler wir sind, desto mehr Erfolg werden wir haben.“ Somit sind die ersten 17 Spieltage zwar alles andere als optimal gelaufen, aber die Mannschaft wird hart an einer besseren Rückrunde arbeiten. Der erste Schritt soll gegen Krefeld gegangen werden. Alles Weitere folgt danach.

2019-12-25T09:57:03+00:00Dienstag, 24. Dezember 2019|