Stürmischer Herbst für den VfL

Nach den beiden jüngsten Auswärtsniederlagen der Schwartauer kommt jetzt der Spitzenreiter aus Essen

Gesprächsbedarf beim VfL – Piotr Przybecki diskutiert mit seinen Spielern Jan Schult und Steffen Köhler

Und der kommt mit reichlich Rückenwind. Die Saison läuft für den TuSEM mehr als erfolgreich und erlebte ihren bisherigen Höhepunkt am vergangenen Spieltag, als der Aufstiegsaspirant aus Hamm deutlich mit 28:21 bezwungen werden konnte. Jaron Siewert, mit 25 Jahren jüngster Trainer der 2. Bundesliga, sah den entscheidenden Erfolgsfaktor laut eigener Homepage in der Defensive: „Wir hatten mit Fredrik [Genz] einen starken Rückhalt, aber er hat auch von einer sehr aktiven Abwehr profitiert. Das, was wir letzte Woche nicht geschafft haben in der 6:0-Abwehr, den Schritt nach vorne zu machen, das hat diesmal sehr gut geklappt.“ Zusammen mit der bislang überragenden Offensive (mehr als 30 Tore pro Spiel) kommen die Nordrhein-Westfalen am nächsten Sonntag (Anwurf 16:30 Uhr) also mit einem ziemlich kompletten Paket in den hohen Norden.

Das spiegelt sich auch in den Ambitionen wider. Essen hat in den letzten Jahren eine stetige Entwicklung gemacht, verbesserte sich in den Abschlusstabellen von Rang 16 (2016/17) über Rang 9 (2017/18) auf Platz 6 (2018/19) und will diesen in der aktuellen Saison toppen. Der bisherige Verlauf lässt vermuten, dass das gelingen wird. In acht Spielen konnte nur in Eisenach nicht gepunktet werden, und wie schwer das ist, musste der VfL am vergangenen Spieltag am eigenen Leibe spüren.

40 gute Minuten in Eisenach reichen nicht

Top oder Flop – der VfL Lübeck-Schwartau kann aktuell getrost als launisch bezeichnet werden. Auf sehr gute Spiele, z. B. gegen Gummersbach oder Bietigheim, folgen eher enttäuschende Auftritte, wie gegen Konstanz oder Elbflorenz. Sinnbildlich dafür war die Partie in Eisenach, in der beide Ausprägungen in einem Spiel gezeigt wurden, also Top und Flop. Über 40 Minuten war die Mannschaft von Piotr Przybecki spielbestimmend und konnte insbesondere kurz nach der Halbzeit ihre Überlegenheit auch an der Anzeige dokumentieren: 16:11, 20 Minuten vor Schluss. Dann aber stockte der Angriffsmotor und Eisenach, getragen vom überragenden Torhüter Blaz Voncina (15 Paraden) und einem frenetischen Publikum, holte Tor um Tor auf. Przybecki blickt zurück: „Wir hatten Eisenach bereits am Rande der Niederlage. Aber die Abwehr-Umstellung auf 6:0 hat ihnen Sicherheit gegeben, und der dann über sich hinauswachsende Torwart hat unserem Angriff den Zahn gezogen.“

Was hat dem VfL gefehlt, um das Spiel erfolgreich zu beenden? Noch einmal der Trainer: „Gerade in diesen knappen Spielen sieht man, dass unsere Verletzten noch nicht so weit sind und deswegen die fitten Spieler länger auf der Platte bleiben müssen. Eisenach hingegen konnte aus dem Vollen schöpfen, hat im letzten Viertel den vierten Spielmacher gebracht, der uns in einigen 1-gegen-1-Situationen das Nachsehen gegeben hat. Wir haben in der Schlussphase versucht, mit der Brechstange den Erfolg zu erzwingen. Das klappt aber leider nur in den seltensten Fällen.“ Am Ende musste der VfL die Heimreise ohne Punkte (23:26), dafür aber mit einer gehörigen Portion Frust antreten.

Keine Zeit zum Luftholen

Für Mannschaftskapitän Martin Waschul sind die Schwankungen zu erwarten gewesen: „Ein neuer Trainer bringt Veränderungen mit sich, das ist normal und benötigt Zeit. Uns fehlt momentan die Grundsicherheit und damit auch die Konstanz. Aber wir werden jetzt nicht nervös, denn wir haben genügend Qualität im Kader.“ Neben den Veränderungen muss man allerdings auch konstatieren: Der Herbstanfang hat es in sich für den VfL. Die Spiele in Konstanz, gegen Bietigheim, in Hamm und in Eisenach waren allesamt schwere Aufgaben – und jetzt kommt der Spitzenreiter aus Essen!

Piotr Przybecki sieht in der Größe der Herausforderung aber auch eine Chance: „Wir sind immer noch etwas enttäuscht, dass wir im letzten Spiel den Erfolg noch aus der Hand gegeben haben. Er hätte uns geholfen, etwas befreiter aufzuspielen. Auch helfen Siege natürlich, unseren Entwicklungsprozess zu beschleunigen. Nach dem enormen Substanzverlust im Sommer (Metzner, Podpolinski, Damm und Ottsen) sind wir als Mannschaft immer noch im Werden. Wir bleiben geduldig und konzentrieren uns jetzt voll auf die nächste Aufgabe. TuSEM hat in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung genommen und kommt auf einer Erfolgswelle nach Lübeck. Der Sieg gegen Hamm hat ihnen sicherlich zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Sie haben ihre Abwehr auf das Niveau ihres Angriffs angehoben, was nicht zuletzt auch an den 23 Paraden ihres Torwarts gegen Hamm abzulesen ist. Aber sie haben auch in Eisenach verloren. Das zeigt einmal mehr, dass diese Liga ganz eng beieinander ist. Das wollen wir am Sonntag (Anwurf 16:30 Uhr) auch nach dem Spiel an der Anzeigetafel ablesen können. Mit unseren Zuschauern im Rücken rechne ich uns eine reelle Chance auf einen Erfolg aus.“

2019-10-17T16:26:26+00:00Donnerstag, 17. Oktober 2019|