Verkorkster Doppelspieltag für den VfL

Das hatten sich die Verantwortlichen anders vorgestellt. Nach dem Sieg gegen den Spitzenreiter HSC 2000 Coburg musste sich der VfL erst auswärts in Wilhelmshaven und dann zu Hause gegen den VfL Eintracht Hagen (21:25) geschlagen geben.

Nach dem Spiel in Wilhelmshaven sollten keine Ausreden gelten, keine Plattitüden bemüht werden. Weder die Verletztenmisere, noch die Auswärtsbilanz oder das zuletzt fehlende Glück bei strittigen Schiedsrichterentscheidungen sollte im Mittelpunkt stehen. Die volle Konzentration sollte auf das Heimspiel gegen den VfL Eintracht Hagen gelegt werden. Leider ohne Erfolg.

Der VfL kam schwer ins siebte Heimspiel der Saison: zwei missglückte Kreisanspiele verhalfen dem VfL Eintracht Hagen zu einem guten Start. Das 0:2 war das ernüchternde Resultat. Es geht besser – und es wurde besser. Nach dem 1:2 durch Thees Glabisch konnte Dennis Klockmann mit einem gehaltenen Tempogegenstoß erstmalig die Hansehölle aufleben lassen. Jan Schult veredelte den Stimmungsaufheller zum Ausgleich (2:2).

Aber Hagen wollte sich keineswegs seinem Schicksal ergeben, ganz im Gegenteil. Der Tabellen-16. blieb gallig und unterband die Schwartauer Angriffsbemühungen ein ums andere Mal mit seiner offensiv ausgerichteten 5:1 Deckung. Und vorne beschäftigte der Halbrechte Jan-Lars Gaubatz die Defensive des Gastgebers recht erfolgreich (insgesamt zehn Treffer).

Hansehölle musste tragende Funktion ausüben

Nach dem 7:11 in der 20. Minute erwachten die 1.880 Zuschauer auf den Tribünen. Zum einen war dafür der überraschende Spielstand verantwortlich, zum anderen der wiedergenesene Markus Hansen, der mit zwei kraftvollen Einzelaktionen verkürzen konnte (9:11), insgesamt vier Tore erzielte. Im Gegensatz zu den bisherigen Heimspielen wollte aber der VfL nicht so recht ins Rollen kommen. „Die Zuschauer versuchen, uns in jedem Spiel nach vorne zu bringen. Das ist eigentlich unser Plus“, sagte nach dem Spielende ein enttäuschter Torge Greve. „Aber die Rädchen, die noch gegen Coburg ineinandergriffen, taten dies heute nicht. So ist es dann nicht verwunderlich, dass bei meinen Spielern irgendwann die roten Lämpchen angingen und die Würfe damit auch unkonzentrierter wurden. Und auch in der Abwehr haben wir keinen Zugriff bekommen. 15 Gegentore zur Halbzeit sind nicht unser Anspruch.“

Gästetrainer Nils Pfannschmidt hingegen war erleichtert: „Wir hatten zuletzt eine kleine Abwärtsspirale mit einem schlechten Spiel am vergangenen Freitag. Aber in dieser zweiten Liga kann jeder jeden schlagen. Am Ende sind dafür die aktuelle Kadersituation und die Tagesform verantwortlich.  Und beides war bei uns heute besser als bei unserem Gegner.“ Das zeigte auch der Spielstand nach 30 Minuten: Hagen führte mit 13:15.

Hoffnung nach der Halbzeit

Die Lübecker kamen mit Elan aus der Kabine. Emotion, Halle und steigende Dynamik im Angriff führten zu einem 4:0-Lauf. Wer aber glaubte, dass das Spiel damit eine vorentscheidende Wendung genommen hatte, sah sich getäuscht. Torge Greve: „Nach dem guten Start in die zweite Hälfte habe ich gehofft, dass wir dadurch die nötige Sicherheit erhalten. Wir haben in dieser Zeit die Abwehr stabiler gestellt und vorne gute Lösungen gefunden. Aber im Gegensatz zu den Hagenern, die mit Tim Stefan und vor allem Nils Dreesrüsse (64% gehaltene Bälle) zwei Erfolgsfaktoren von der Bank bringen konnten, fehlten uns diese Alternativen heute.“ In der 39. Minuten hatte Hagen den Ausgleich wiederhergestellt (17:17). In dieser vielleicht entscheidenden Phase ließen die Hausherren gute Möglichkeiten ungenutzt und Hagen konnte über Gaubatz und ihren Kreis wieder in Führung gehen.

Fynn Ranke, Martin Waschul, Sebastian Damm, VfL-Trainer Torge Greve und Pawel Genda nach der Niederlage gegen VfL Eintracht Hagen

Nötiges Glück hat heute gefehlt

„Gerade die vergebenen Möglichkeiten drücken nach so einem kräftezehrenden Wochenende auf die Moral und lassen die Köpfe weiter sinken“, fasst Torge Greve nach dem Spiel zusammen. „Das Glück, das wir in anderen Spielen auch einmal hatten, war heute einfach nicht da.“ So rannten sich die Lübecker immer wieder in der guten Abwehr der Hagener fest und wenn der VfL einmal durchkam, entschärfte Keeper Dreesrüsse Ball um Ball.

Gästetrainer Pfannschmidt hingegen war zufrieden: „Für uns ist es etwas Besonderes, hier zu gewinnen. Ich glaube aber auch, dass die zwei Punkte verdient waren. Nach der Halbzeit war es für uns typisch, dass wir einen 0:4-Lauf hinnehmen mussten. Dieses Mal sind wir aber nicht eingebrochen. Wir haben Moral bewiesen. Daran hat Dreesrüsse einen großen Anteil. Das freut mich besonders.“

Zum Abschluss blickt Torge Greve nach vorne: „Das Wochenende war ein sehr bitteres für uns. Aber der Frust muss in positive Energie umgesetzt werden. Zu ändern ist jetzt eh nichts mehr. Wir haben eine Woche Zeit, um zu regenerieren – und das ist bitter nötig. Dann fahren wir am nächsten Wochenende nach Essen und versuchen, die verlorenen Punkte wieder zurückzuholen. Dabei sind wir nicht der Favorit. Vielleicht tut uns das ganz gut.“

 

2018-11-12T11:39:58+00:00Montag, 12. November 2018|