VfL mit Last-Minute-Punkt gegen Hamm

Der VfL Lübeck-Schwartau entführt mit der Schlusssirene einen Punkt gegen den ASV Hamm (28:28).

Das war nichts für schwache Nerven. Die 2.060 Zuschauer sahen einen echten Krimi in der WESTPRESS arena! Leider musste die Schwartauer Besetzung noch vor dem Anpfiff überarbeitet werden. Jan Schult konnte wegen einer Handverletzung aus dem Elbflorenz-Spiel nicht mitwirken und erweiterte so die ohnehin schon lange Verletztenliste.

Die Gastgeber hatten den besseren Start. Die bewegliche, stabile Abwehr war gerade zu Beginn immer wieder Ausgangspunkt für blitzschnelle Gegenstöße, Nutznießer war gleich mehrfach der pfeilschnelle Papadopoulos. Und ging es mal nicht über die erste Welle, trafen Mex Raguse, Stefan Lex oder Sören Südmeier aus dem Rückraum.

Beim Stand von 7:3 nahm VfL-Trainer Torge Greve seine erste Auszeit (7. Minute) – bitter nötig! „Ich habe in dieser frühen Phase die Angriffsleistung moniert. Ich habe zwar vor dem Spiel Mut gefordert, aber einige Angriffe waren anstatt mutig eher übermütig“, so Greve. „Wir mussten offensiv unbedingt geduldiger spielen. Zur Abwehrleistung konnte ich bis dahin noch gar nichts sagen, weil wir wegen der vielen Tempogegenstöße überhaupt nicht in unser sonst so starkes Defensivverhalten kommen konnten.“

Die Unterbrechung brachte Besserung. Die Spielzüge wurden jetzt konsequenter zu Ende gespielt und auch die Abwehr konnte sich endlich als solche präsentieren. In dieser Phase zeichnete sich vor allem Dadi Runarsson aus, der vorne klug Regie führte und sich auch als Torschütze auszeichnen konnte – ein ständiger Unruheherd. Beim 8:7 war der VfL wieder dran (12.).

Zu viele Gegentore für die beste Abwehr der Liga

Nach der Lübecker Mini-Serie bediente sich auch Hamm-Trainer Rothenpieler des Mittels der Auszeit, um seine Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Und auch auf Seiten der Gastgeber fruchtete diese Maßnahme. Die Abwehr fand zu ihrer Aggressivität zurück (Leidtragender war mehr als einmal Antonio Metzner) und dem starken Angriff konnte weder Dennis Klockmann noch Marino Mallwitz Einhalt gebieten. Bis zur 16.Minute war Hamm wieder auf vier Tore davongezogen.

Schwartau stellte die Abwehr um – erst auf 5:1, ab der 22. Minute noch offensiver mit zwei vorgezogenen Abwehrspielern. In dieser Phase schien es kein probates Mittel gegen die Hammer Effizienz zu geben. Lediglich die Tatsache, dass der Halbzeitrückstand mit 19:17 erträglich war, erhielt die Hoffnung am Leben, doch noch etwas Zählbares mit nach Hause zu nehmen.

Allerdings: 19 Gegentore in einer Halbzeit sind zu viel. Im Vergleich dazu: im letzten Auswärtsspiel gegen Hamburg waren 18 Gegentreffer – nach 60 Minuten! Torge Greve zu den ersten 30 Minuten: „Unsere Angriffsleistung war ganz gut, 17 Tore werfen wir ja auch nicht in jedem Spiel. Aber hinten fehlte mir die Emotionalität. Das war noch nicht unser Spiel:“

Zweite Halbzeit wie nach einem Hitchkock-Drehbuch

Hatte der ASV Hamm den besseren Start in die ersten 30 Minuten, war es jetzt der VfL, der das Geschehen nach dem Wechsel diktierte. Hansen – Metzner – Hansen – in der 34. Minute hatte der VfL den Pausenrückstand in eine Führung umgewandelt (19:20). Und auch die Körpersprache der Lübecker war eine andere, insbesondere gut zu erkennen nach erfolgreichen Abwehraktionen, die von der gesamten Bank gefeiert wurden wie Torerfolge.

Hamm ließ sich nicht abschütteln, holte sich die Führung postwendend zurück (21:20, 36.) – Spannung pur, aber noch längst nicht der Klimax. Die Fehlerzahl wurde jetzt auf beiden Seiten größer – zumindest auf Schwartauer Seite erwartbar, weil Greve seine Stammformation fast über die gesamte Spieldauer auf der Platte halten musste. Aber auch die Gastgeber leisteten sich einige Unkonzentriertheiten im Angriff (fehlerhafte Kreisanspiele und Torabschlüsse), die der VfL allerdings nicht nutzen konnte (vergebender 7-Meter und Tempogegenstoß, 41. und 43.).

Dramatik dann am Ende und hier im Stenogramm: 51. Minute: Hamm scheiterte mit einem 7-Meter an Dennis Klockmann, 52.: der VfL vergab den darauffolgenden Angriff und Hamm konterte per Tempogegenstoß zum 27:25, 53.: Metzner (nach kurzer Verschnaufpause) zum 27:26, 54.: Chance auf den Ausgleich, aber erneuter Fehler im Angriff, wieder Ballbesitz für Hamm, 57.: nach einem Fehlversuch von Hamm trifft Metzner zum 27:27, aber der ASV holt sich in der 58. die Führung zurück (28:27).

Die Entscheidung? Nein, denn der VfL war im Angriff – leistete sich aber in der 59. Minuten einen Fehlversuch. Noch 35 Sekunden und die Chance für Hamm, alles klar zu machen. Aber Markus Hansen eroberte noch einmal den Ball, startete den Tempogegenstoß, den ASV-Torwart Storbeck allerdings parierte und den Ball ins Seitenaus klärte. Alles vorbei? Noch fünf Sekunden und die wurden kurios. Hamm unterband den Versuch der Lübecker, den Ball noch einmal ins Spiel zu bringen, regelwidrig, und die Unparteiischen zeigten auf den Siebenmeterpunkt. So war es Thees Glabisch vorbehalten, den vielumjubelten Ausgleich zu erzielen. Noch einmal Torge Greve: „So habe ich mir die zweite Halbzeit vorgestellt. Wir waren viel griffiger und haben Hamm nur noch neun Tore gestattet. Den Punkt hat sich die Mannschaft erarbeitet und redlich verdient.“ Jetzt heißt es, schnellstmöglich zu regenerieren, denn schon am 26.12. startet der VfL bei den starken Balingern in die Rückrunde.

VfL-Chef Friedrichs extrem zufrieden mit dem Auswärtspunkt

„Aus meiner Sicht ein sensationeller Punkt bei einem der Top-Favoriten auf den Aufstieg. Hamm ist ein echtes Spitzen-Team, und da zu bestehen ist aller Ehren wert. Hut ab vor der Mannschaft, vor dem ganzen Team! Jetzt können wir uns in aller Ruhe auf die Feiertage konzentrieren“, so ein zufriedener Michael Friedrichs. „Ich wünsche allen Fans des VfL frohe Weihnachten und eine besinnliche Zeit!“

2018-12-22T08:09:43+00:00Freitag, 21. Dezember 2018|