VfL ringt Großwallstadt nieder

In einem nervenaufreibenden Spiel bezwingt der VfL Lübeck-Schwartau den TV Großwallstadt am Ende glücklich, aber keinesfalls unverdient, mit 28:25.

Was für eine Woche! Die Mannschaft von Trainer Torge Greve hat sich die Vorbereitung auf das Spiel gegen den mainfränkischen Traditionsverein sicherlich anders vorgestellt. Nicht genug, dass neben den Langzeit-Verletzten Marcel Möller und Toni Podpolinksi auch Markus Hansen seinen Einsatz für das Spiel wegen einer Mandelentzündung absagen musste, auch Tim Claasen war in der vergangenen Trainingswoche noch nicht wieder voll belastbar und Dennis Klockmann konnte sogar gar nicht trainieren. Die negativen Höhepunkte waren allerdings der schwere Autounfall von Sebastian Damm, den er glücklicherweise nur mit verhältnismäßig leichten Blessuren überstanden hat, und eine Trainingsabsage am vergangenen Mittwoch, weil der Boden der Hansehalle einer „Schlittschuhbahn“ glich (O-Ton Torge Greve). So war es sicherlich nicht leicht, den Faden aus den beiden guten Spielen in Essen und gegen Emsdetten aufzunehmen.

Großwallstadt giftig und mit starkem Rückraum

Zum Spiel: Großwallstadt kam immerhin mit der Empfehlung, im letzten Spiel den Tabellenführer aus Essen geschlagen zu haben. Der VfL war also gewarnt. Zum Leidwesen von Torge Greve war es allerdings der TVG, der in der ersten Halbzeit an die Form der Vorwoche anknüpfen konnte: „Sie haben in den ersten 30 Minuten gezeigt, wie Handball sein muss. Emotional, auf dem Feld genauso wie auf der Bank. Das war toll anzusehen. Noch lieber hätte ich das allerdings von meiner Mannschaft gesehen.“ Und mit dem Blick auf die eigene Sieben: „Wir haben Großwallstadt in der ersten Halbzeit gewähren lassen. So konnte ihr Rückraum zu tollen Toren kommen. Und in der Abwehr haben sie uns das Leben mit ihrer Leidenschaft auch nicht gerade leicht gemacht.“

Und so entwickelte sich auch das Spiel. Die Schwartauer hatten Mühe, sich im Angriff in Szene zu setzen und auch das eigentliche Prunkstück, die Abwehr, war nicht auf der Höhe. Auf der anderen Seite nahm sich das Rückraum-Trio Marcel Engels (6), Lars Spieß (3) und Jan Winkler (3) seine zur Verfügung stehende Freiheit und ließ Marino Mallwitz, der von Beginn an das VfL-Tor hütete, kaum eine Chance. Gästetrainer Florian Bauer zum Start: „Ich habe von uns in der ersten Halbzeit ein super Spiel gesehen. Vieles ist uns geglückt und wir haben unseren Anteil zu einem tollen Handballspiel beigesteuert.“ Torge Greve hingegen hatte in der 15. Minute genug gesehen und nahm seine erste Auszeit. Diese war aber nicht so wirkungsvoll, wie sich das der Trainer vorgestellt hatte – auch weil im Angriff gegen die sehr aggressiven, teilweise etwas übermotiviert wirkenden Gäste auch das Glück etwas fehlte (Pfosten- und Lattentreffer von Dadi Runarsson in einem Versuch, Siebenmeter ebenfalls an den Pfosten). Seine zweite Auszeit noch vor der Halbzeit sprach Bände.

Von einem umgelegten Hebel nach den Niederlagen gegen Wilhelmshaven und Hagen war zu diesem Zeitpunkt nicht viel zu spüren. Der TVG zog über 7:9 auf 11:14 davon und mit 13:17 wurden die Seiten gewechselt. Waren die VfLer in der vergangenen Woche noch Hansehöllehelden gegen Emsdetten – gegen Großwallstadt waren sie von der Normalform kilometerweit entfernt. Die Halle war merklich ruhig… Der Pädagoge in Torge Greve war zur Halbzeit gefragt.

Ein ganz anderes Bild in der zweiten Halbzeit

Bereits mit dem Auflaufen war zu erahnen, dass die Halbzeitansprache wirkungsvoll war. Die Körpersprache der Lübecker war eine andere und der jetzt zwischen den Pfosten stehende Dennis Klockmann wuchs von Minute 31 an über sich hinaus (insgesamt 57 %(!) gehaltene Bälle). Tor um Tor kämpfte sich der VfL heran und erweckte die Hansehalle zur gewohnten Hansehölle, auch wenn es noch bis zur 45. Minute dauern sollte, bis der VfL den Spielstand egalisieren konnte. Vorausgegangen war ein gehaltener 7-Meter und eine starke Einzelaktion von Dadi Runarsson, der trotz harter Abwehr am Ende erfolgreich war. Torge Greve zu seinem isländischen Regisseur: „Für Dadi freut es mich besonders. Er hat sicherlich nicht alle Situationen erfolgreich abgeschlossen, aber er hat heute nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern weiter an sich geglaubt und sich seine Torerfolge erarbeitet. Damit hat er einen maßgeblichen Anteil an unserem Sieg.“

Runarsson war es auch, der die erste Zwei-Tore-Führung der Schwartauer erzielte (insgesamt vier Tore). Dass diese am Ende kaum noch in Gefahr geriet, war auch der Steigerung in der Abwehr zu verdanken. Neben Klockmann wusste sich auch der Mittelblock um Martin Waschul von Minute zu Minute zu steigern. So stand der Kapitän auch stellvertretend für seine Mannschaft bei der Pressekonferenz als „Man of the Match“ neben seinem Trainer, der dazu sagte: „Martin hat heute wieder ein tolles Spiel abgeliefert, aber eigentlich müsste die ganze Mannschaft hier neben mir stehen.“

Auch glückliche Siege bringen zwei Punkte

Das letzte Fünkchen Hoffnung der Großwallstädter raubte Dennis Klockmann, als er den zweiten Siebenmeter vom Top-Torjäger der Liga, Michael Spatz, parieren konnte (59. Minute). Das Fazit von Florian Bauer war auch dementsprechend: „Wenn Du bei einer so heimstarken Mannschaft wie dem VfL Lübeck-Schwartau punkten willst, dann musst du alle Chancen nutzen. Wir haben zwei Siebenmeter und einige Freie liegen lassen, und dann reicht es eben nicht.“

„Nach der ersten Halbzeit hätte Großwallstadt sicherlich einen Punkt verdient gehabt. Am Ende aber freuen wir uns heute über das Glück, dass uns in anderen Spielen auch schon mal gefehlt hat. Wir müssen die erste Halbzeit anders angehen, aber zum einen war die Woche wirklich schwierig und zum anderen freue ich mich, dass wir auch in einem solch schwierigen Spiel die Oberhand behalten haben“, sagte ein erleichterter Torge Greve zum Abschluss.

Der Endstand von 28:25 gibt den Aufwand, den der VfL gerade in der zweiten Halbzeit betreiben musste, nur unzureichend wieder. Ein Sieg, der eine lange Anlaufzeit brauchte, am Ende aber zum einen guttut und zum anderen den VfL nicht ohne Hoffnung auf Punkte nach Hamburg (07.12.) zum Derby fahren lässt.

2018-12-03T12:33:36+00:00Samstag, 1. Dezember 2018|